LANCIA FLAMINIA - Die Nachfolgerin der Aurelia, signiert von Pinin Farina

Auf dem Turiner Autosalon 1955 stellte Pinin Farina das Sondermodell Lancia Florida vor: eine elegante und luxuriöse Limousine mit innovativen Formen, die die Grundlagen des charakteristischen Designs der nachfolgenden Lancia-Modelle legte.


Im April 1955 wurde Giovanni Gronchi zum Präsidenten der Italienischen Republik gewählt und zur selben Zeit präsentierte der Karosseriebauer Battista Farina auf dem Turiner Autosalon das Sondermodell Florida, ein innovatives Fahrzeug, das die stilistischen Grundlagen der Lancia-Modelle der Folgejahre legte. Aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Vater Giuseppe erhielt Battista den Spitznamen Pinin, was auf Piemontesisch „Giuseppino" (Diminutivform von Giuseppe) heißt. Es war dann tatsächlich Präsident Gronchi selbst, der Battista 1961 erlaubte, den eigenen Nachnamen in Pininfarina zu ändern und ihn somit für immer mit dem Spitznamen zu verknüpfen, unter dem er bekannt war. Der Florida basierte auf der ausgeklügelten Mechanik der Lancia Aurelia: V6-Frontmotor mit hinten liegendem Getriebe und Antrieb, was für einen perfekten Gewichtsausgleich sorgte. Das Fahrzeug unterschied sich sofort durch seine Formen, die gegenüber der zeitgenössischen Lancia-Produktion ausgesprochen innovativ waren. Der Florida war eine elegante Limousine, seine Länge erreichte fast 5 m und es kennzeichnete ihn ein großes, eiförmiges Kühlergrill, das auch die Scheinwerfer integrierte. Pinin Farina brach so mit der Tradition des schildförmigen Kühlergrills, das bis dahin allen Lancias eigen war, um eine horizontal verlaufende Frontpartie zu schaffen, die sich auch auf die nun niedrigere und schlankere Motorhaube auswirkte. Die Besonderheit des leicht und windschnittig erscheinenden Dachhimmels bestand im Wegfall des Mittelpfostens, auch wenn vier Türen vorhanden waren. Möglich wurde dies, da sich die Türen wie „ein Buch“ öffneten, eine Konstruktionsentscheidung, die schon fest zur Lancia-Tradition gehörte. Die Karosserielinie zog sich bis in die dezenten Heckflossen mit den eingebauten dreieckigen Scheinwerfern, die das von der hinteren Stoßstange umgekehrte „C“ abschlossen. Die geneigte Heckscheibe hatte einen originellen mittigen Scheibenwischer, eine echte Neuheit jener Zeit. Die straffen und modernen Formen des Florida - so grundverschieden von denen der zeitgenössischen Aurelia-Limousine - wurden durch die zweifarbige Lackierung noch weiter verstärkt: ein ästhetisches Element, das später auf Anfrage auch für die Flaminia erhältlich sein würde. Neben den Prototyp der Limousine reihte sich eine ebenso elegante, zweitürige Coupé-Version mit ähnlichen Linien.


LANCIA FLORIDA UND LANCIA FLAMINIA


Der Erfolg in der Öffentlichkeit war bemerkenswert und die Florida-Sondermodelle begeisterten auch die Führungsspitze von Lancia, die Pinin Farina beauftragte, den Nachfolger der Aurelia zu entwerfen.

Der erste, noch mit Flügeltüren ausgestattete Prototyp der Lancia Flaminia wurde auf dem Turiner Autosalon 1956 ausgestellt, während die definitive Version 1957 in Genf debütierte. Die innovativen Lösungen des Florida wurden an die Bedürfnisse der Serienproduktion angepasst, die Stilelemente jedoch blieben gleich. Die neue Limousine zeichnete sich durch das breite Kühlergrill aus, in dem sich das neue Lancia-Abzeichen befand. Dieses war nun nicht mehr lackiert, sondern direkt aus verchromtem Metall gefertigt und in seinen Formen einfacher gestaltet. Anders als beim Florida-Prototyp traten die Frontscheinwerfer aus dem Kühlergrill heraus und verschlossen die Vorderseite des Kotflügels, während sich weiter unten zwei weitere kleinere runde Scheinwerfer befanden, die als Blinker und Nebelscheinwerfer dienten. Der Bruch mit der Vergangenheit ließ sich auch aus dem Autonamen ableiten, denn die Flaminia führte die Abfolge der Fahrzeuge, die, wie Aurelia und Appia, mit A begannen, nicht mehr fort. Erhalten blieb jedoch die Entscheidung, die Fahrzeuge nach den Konsulstraßen des antiken Roms zu benennen; so entstand die Serie von Lancias, die mit „F“ begannen und auf die in den 60er Jahren die Modelle Flavia und Fulvia folgten. Die niedrige Motorhaube zeichnete sich durch einen breiten Lufthutz aus. Aus Stabilitätsgründen erwies es sich als notwendig, den Mittelpfosten zu übernehmen, und die 4 Türen öffneten sich konventionell. Das verchromte Profil blieb jedoch erhalten und verlief vom Dachrahmen entlang der gesamten Heckflosse: Eine Lösung, die - nicht nur in den zweifarbigen Versionen - die Eleganz des Designs unterstrich. Das „tropfenförmige“ Profil der Kotflügel machte die Flanken noch dynamischer, die sich auch bei stehendem Auto bereits zu bewegen schienen. Der einzelne Heckscheibenwischer des Florida wurde verdoppelt, die großzügigen und komfortablen Innenausstattungen spiegelten die typische Lancia-Eleganz wider und die moderne Geometrie der Radaufhängung bot eine optimale Straßenlage und den Komfort eines Fahrzeugs der Oberklasse. Auf dem Turiner Autosalon 1957 präsentierte Pinin Farina noch eine Weiterentwicklung des Projekts, das auf der Mechanik der neuen Flaminia basierte: den Florida II, der zu Recht als Meilenstein im Autodesign gilt. Durch den Wegfall des kleinen hinteren Ausstellfensters fiel nur seitlich Licht in den Fahrgastraum und das noch schlankere Profil konturierte ein echtes viertüriges Coupé mit Schranktüröffnung ohne Mittelpfosten. Wie bei der Flaminia traten die Frontscheinwerfer aus dem Kühlergrill hervor, das an Bedeutung gewann, und der einzelne Heckscheibenwischer des ersten Prototyps wurde durch einen zweiten ergänzt. Pinin Farina schätzte den Florida II so sehr, dass er ihn bis zu seinem Tod 1966 als sein persönliches Auto nutzte. Dazu erklärte der geniale Karosseriebauer einmal: „Ich erinnere mich an diesen Detroiter Konstrukteur Olds, der in seinem Auto lebte und schlief. Und ich lebe in meinem Florida“.  1959 debütierte auf dem Turiner Autosalon der Lancia Flaminia Coupé, der die prächtigen schlanken Formen des Florida II aufgriff. Tatsächlich war es wieder Pinin Farina, der, ausgehend vom um 12 cm verkürzten Fahrgestell der Limousine, die hintere Flügeltür des Florida II eliminierte; so entstand aus seiner genialen Feder eines der elegantesten und harmonischsten Coupés. Die Flaminia Limousine und das Coupé wurden in 3 Serien mit wenigen äußeren Änderungen gebaut, die hauptsächlich mit der neuen Straßenverkehrsordnung zusammenhingen, die einige Aktualisierungen der Lichter erforderte, wie beispielsweise die Einrichtung orangefarbener Blinker. Die Mechanik entwickelte sich hingegen im Laufe der Jahre weiter: Der 2,5-Liter-V6 mit 102 PS der ersten Serie wuchs auf 110 PS in der zweiten und auf einen Hubraum von 2,8 Liter für 129 PS in der dritten Serie. Die Coupés hatten ein höheres Verdichtungsverhältnis: 119 PS, die sich auf 128 PS mit einem Dreifachvergaser (3B) steigerten und bis zu 140 PS des 2,8 3B erreichten. Außer den von Pinin Farina entworfenen Versionen realisierte die Carrozzeria Touring Superleggera ausgehend von den Fahrgestellen der Coupés die prächtigen Modelle Flaminia GT und Convertibile, während Zagato die aerodynamischen Racing-Modelle Flaminia Sport und Super Sport baute.  Und es war kein geringerer als der Präsident der Republik Gronchi, der Lancia und Pinin Farina beauftragte, die Cabriolet-Version „Presidenziale“ zu realisieren, die 1961 mit dem offiziellen Besuch von Königin Elizabeth II in Italien debütierte und die immer noch Protagonistin der offiziellen Paraden für große Staatszeremonien ist. Daraufhin wurden 4 Exemplare auf dem Fahrgestell der Flaminia-Limousine mit verlängertem Radstand, alle dunkelblau und mit schwarzer Lederausstattung, produziert. Einer fest verankerten Tradition des Quirinals (Amtssitz des italienischen Staatspräsidenten) folgend, wurden sie nach 4 Vollblütern benannt: Belfiore, Belmonte, Belvedere und Belsito.



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