DIE REISE VON JOÃO UND SEINEM 128 - Ein Gemeinsames Leben

Die Geschichten junger FCA-Mitarbeiter, die sich leidenschaftlich für die historischen Fahrzeuge des Konzerns begeistern, werden um ein neues Kapitel bereichert. Zu den Erzählungen von Alexander Traiber, Massimo De Micheli und ihren Oldtimern gesellt sich nun auch die Geschichte von João Carlos Carvalho, einem portugiesischen Kollegen, der seit 2016 mit Leidenschaft bei der FCA arbeitet und seit 2018 für After Sales von Mopar® in Portugal verantwortlich ist. Dieser Enthusiasmus entstand sicherlich auch dank seines gelben FIAT 128 - dem Auto, das ihn sein ganzes Leben lang begleitet hat.


Alles begann, als ich beschloss, früher auf die Welt zu kommen als erwartet. Angesichts der Dringlichkeit der Situation wurde meine Mutter eiligst in den Krankenwagen verfrachtet, aber für meinen Vater war kein Platz. Er stieg in seinen Fiat 128 und begann, den Krankenwagen aus meiner Heimatstadt Vila Real bis nach Porto, wo ich geboren wurde, zu verfolgen. Damit Sie sich das vorstellen können: fast 100 km quer durch die Berge. Es handelte sich um einen Fiat 128, den ein Onkel meines Vaters im Jahr 1972 gekauft hatte. Und es war auch das erste Auto in dem ich, nur wenigen Tagen alt, gereist bin.


In meiner Familie hatten wir immer nur italienische Autos. Angefangen mit dem Fiat 600D meines Großvaters, gefolgt von dem 850, dem 127, dem 128, dem 131 Mirafiori, dem Regata, dem Tipo, dem Uno, dem Panda, dem Punto, dem Lancia Dedra und auch dem K und dem Delta. Allesamt wunderbare Autos, aber keines von ihnen hat mich so markiert wie der Fiat 128.


Ich habe mich oft gefragt, warum ich unter all den Autos gerade für dieses so viel Zuneigung empfand. Vor zwei Jahren glaubte ich, eine Antwort gefunden zu haben: Ich las in einem Marketingbuch, dass Kinder viel stärkere und verfeinerte Sinne haben als Erwachsene. Der 128 war das Auto, in dem meine Familie mit uns Kindern zum Picknick fuhr, und es spielt eine Hauptrolle in den schönsten Erinnerungen meiner Kindheit. Ich war schwer beeindruckt von seiner unvergesslichen gelben Lackierung, dem intensiven Duft des Innenraums, dem röhrenden Klang des Auspuffs und der magischen, rauen Stimme des 1.100-cm³-Motors, der von dem großen Ingenieur Aurelio Lampredi entworfen wurde.


Als ich drei Jahre alt war, kam ein Fiat Uno 45 in die Familie, und der 128 wurde immer öfter in der Garage geparkt. Umso besser, dachte ich, denn dann konnte ich damit spielen. Ich verdrückte mich oft in Richtung Garage, schlich mich hinein und stellte mir mit einer Hand am Lenkrad und der anderen am Getriebe vor, das Auto zu fahren. Wie viele Reisen und Stunden wir zusammen verbrachten!


Der Fiat 128 blieb bei uns, bis ich sieben Jahre alt war. Die Familie war gewachsen, und nun wurde ein größeres Auto benötigt.

So wurde der 128 von einem Mechaniker gekauft, der nicht weit entfernt wohnte; und von diesem Moment an setzte ich mir ein Ziel: das Auto nach Hause zu bringen. Ich tauchte in der Werkstatt auf und freundete mich durch den einen oder andere Plausch mit dem Besitzer an. Er erlaubte mir sogar, den Wagen von Zeit zu Zeit zu reinigen.  Mein 128 wurde jedoch vor allem für schwere Feldarbeit eingesetzt. „Dieses Auto zieht mehr als ein Lastwagen", sagte der neue Besitzer. Aber es litt. Dann, eines Tages, parkte er ihn auf der Straße und holte ihn nie wieder ab. Heiße Sommer, kalte Winter... Ich konnte diesen Zustand nicht mit ansehen. Als ich 18 wurde, ging ich zurück in die Werkstatt und machte dem Besitzer ein Angebot, ohne zu wissen, was mich erwartete. „Nimm ihn einfach mit, João“, sagte er, „ich brauche ihn nicht mehr.“ Er wollte keinen einzigen Escudo dafür, akzeptierte aber eine Korbflasche mit Portwein. Das Auto hatte zwei Jahre lang auf der Straße gestanden: es war schmutzig, verrostet und oxidiert. Voller Müll, und mit Schmutz und Staub bedeckt. Wir haben die Batterie ersetzt und Benzin direkt in den Vergaser gegossen, um ihn „wiederzubeleben", aber der Motor wollte nicht anspringen. Dann kamen wir auf die gute alte Technik des Anschiebens. Und auf halbem Weg den Hügel hinunter wachte mein 128 irgendwie wieder auf. Er schien es selbst nicht zu glauben zu können, das Motorengeräusch war rauer als sonst, aber er war dennoch ganz der Alte. Ich brachte das Auto nach Hause und stiess auf meinen Vater. Er war nicht damit einverstanden, es zurückzunehmen. Aber dann sah er es, oder vielleicht sah er auch nur die Art und Weise, wie ich es betrachtete. Zwei Minuten später half er mir, den Rost abzuschleifen. Es erforderte viel Arbeit in der Werkstatt, sich mit dem fortgeschrittenen Zustand der Blechkorrosion zu befassen und die verschiedenen Komponenten zu restaurieren. Und dann gingen wir zum Motor über, der Kompressionsverluste aufwies. Er wurde gereinigt und überholt, wobei die ursprünglichen Bestandteile so weit wie möglich erhalten blieben: eine conditio sine qua non der Restaurierung. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als wir zusammen mit meinem Vater den gelben 128 in der Werkstatt abholen gingen. Er strahlte, wie er noch nie zuvor gestrahlt hatte, und trotz der Restaurierung roch das Innere immer noch wie vor Jahren. Mein Kindheitstraum war in Erfüllung gegangen. Nach nur zwei Wochen „fragte" ich meinen 128, ob er noch fahren könne: Wir machten uns auf eine dreitägige, 700 km lange Reise. Von diesem Moment an führte ich ein Tagebuch, das ich bei jeder Reise aktualisierte. Ich notierte zum Beispiel, dass sein Motor Sound und Kraft zurückgewonnen habe und auch, dass mein gelber 128 überall, wo wir hinfahren, Lächeln, Grüße und bewundernde Blicke erhält. Das Wochenende ist unsere Zeit, und die Straßen des Douro-Tals gehören uns. Wir versuchen, bei vielen Gelegenheiten Zeit miteinander zu verbringen: Paraden und Oldtimer-Rallyes fallen mir da ein, aber auch Gleichmäßigkeitsprüfungen wie die, an der ich letztes Jahr zusammen mit meinem Bruder teilgenommen habe. Die Opfer, die Schwierigkeiten und die Zeit - vor allem die Zeit -, die ich diesem Abenteuer gewidmet habe, waren gute Investitionen. Mein Fiat 128 ist der beste Reisebegleiter meines Lebens.



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